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Donnerstag, 7. März 2013

Eure Fragen und meine Antworten: "Molekulare Medizin"

Als ich euch die Möglichkeit bot, mir Fragen allgemein zum Studium oder speziell zu meinem Studiengang zu stellen, war euer Interesse eindeutig: Einige Fragen hier auf meinem Blog und vor allem viele Fragen bei meinem ask-Account trudelten bei mir ein und alle hatten nur ein Thema: Molekulare Medizin. Weil ich nun schon oft bemerkt habe, wie viele Leute interessiert daran sind, was ich da eigentlich genauer studiere, habe ich nun alle Fragen zusammengetragen und hoffe, dass ich euch damit ein einigermaßen gutes Bild von meinem Studiengang vermitteln kann. Ihr müsst allerdings im Hinterkopf behalten, dass ich in Erlangen studiere und sich deswegen meine Antworten alle nur auf diesen Universitätsstandort beziehen. Wie es an anderen Universitäten aussieht, kann ich euch leider nicht sagen, aber ich bin mir sicher, dass es doch da einige gravierende Unterschiede gibt.


Wie hoch liegt der NC für Molekulare Medizin?
Das ist von Standort zu Standort ganz verschieden. In Erlangen lag er bei 1,4, allerdings bin ich mit meinen 1,5 auch noch nachgerückt. An anderen Universitäten hatte ich dagegen überhaupt keine Chancen, denn da kam man allerhöchstens noch mit 1,1/1,2 rein.
Ich möchte damit aber niemanden abschrecken, denn die NCs sind hier im Süden Deutschland aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und BaWü sehr in die Höhe geschossen. Davor sah das alles wesentlich entspannter aus und ich glaube auch, dass sich das im Laufe der Zeit wieder beruhigen wird.

Wie lange dauert das Studium?
Die Regelstudienzeit beläuft sich hier ganz genauso wie bei den restlichen Studiengängen auf 10 Semester, wobei nach 6 Semestern der Bachelor erreicht wird und nach weiteren 4 Semestern der Master. Länger als die Regelstudienzeit kann man übrigens hier - soweit ich weiß - nicht studieren, weil bei MolMed strikt vorgegeben ist, in welchem Semester welche Module belegt und abgeschlossen werden müssen, sonst droht die Exmatrikulierung.

Wo kann man überall Molekulare Medizin studieren?
Soweit ich weiß, kann man das in Erlangen, Regensburg, Ulm, Tübingen, Freiburg und Göttingen studieren, also nicht gerade ein großes Angebot. Allerdings gibt es in ganz Deutschland verteilt noch verwandte Studiengänge wie bspw. Biomedizin, Integrated Life Science oder natürlich Humanmedizin. Außerdem gibt es in manchem Städten Molekulare Medizin ausschließlich als Master-Studiengang. Da bin ich zwar nicht sonderlich gut informiert, aber ich meine mich zu erinnern, dass das in Leipzig und Berlin angeboten wird.

Was genau ist MolMed überhaupt und welche Module gibt es?
Was genau MolMed ist, erkläre ich euch am Besten anhand all der Module, die ich in meiner Studienzeit belegen muss. Ich denke, damit bekommt ihr schon ein recht gutes Bild.
In den ersten Semestern kommen natürlich die Grundlagen. Zum einen die Basisfächer wie Chemie, Physik Biochemie und Physikalische Chemie, bei denen ich mich manchmal frage, für was ich das Ganze mal später brauchen werde, aber das sind eben die Basis der Naturwissenschaften. Es werden natürlich auch die Grundlagen im medizinischen Bereich gelegt, so hatte ich dieses Jahr Histologie (Gewebelehre/Mikroskopie) und Anatomie. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei mir auf Zellbiologie, was mich auch noch in den späteren Semestern begleiten wird.
In den kommenden Fächern werde ich nach und nach die Basismodule abgeschlossen haben (ab dem 2. Semester nie wieder Physik, juhu!) und es wird immer mehr in den medizinischen Bereich gegangen. So werde ich im Laufe der Zeit z.B. Fächer wie Humangenetik, Pathologie, Physiologie und Pharmakologie haben. Auch Biochemie wird immer wichtiger werden und sich durch mein ganzes Studium ziehen.

Wie sieht es mit Praktika aus?
Praxis ist in diesem Studiengang sehr wichtig und so werden viele Vorlesungen, die uns über ein oder mehrere Semester die Theorie beigebracht haben, in die Praxis umgesetzt. Ich habe bereits mein Praktikum in Physik hinter mir und vor dem nächsten Semester kommt noch eins zur Physikalischen Chemie. In den nächsten Semesterferien wartet dann noch ein Praktikum zur Anorganischen Chemie und auch ein ganzes Praktikumsmodul in Biochemie auf mich. Auch "Laborexperimentelles Arbeiten" wird in den höheren Semestern in die Praxis umgesetzt. Wie ihr seht, hier heißt es nicht nur stur in den Vorlesungen zu sitzen, sondern all das Gelernte auch regelmäßig anwenden zu können.

Worin liegt der Unterschied zur Humanmedizin?
Da ich ja kein Humanmedizin studiere, kann ich euch nur grob die Unterschiede erläutern. Der wohl größte Unterschied ist die Tatsache, dass ich nach meinem Studium kein praktizierender Arzt werde und somit auch keinen Patientenkontakt haben werde (genaueres zu den beruflichen Aussichten habe ich weiter unten beantwortet). In den Modulen gibt es schon Gemeinsamkeiten, ich habe zum Beispiel Histologie zusammen mit dem Humanmedizinern, lerne also exakt das Gleiche. Bei Anatomie ist allerdings wieder alles ganz anders aufgebaut und nicht so extrem vertieft wie in der Humanmedizin. Auch in den Basismodulen werden wir getrennt von den Medizinern unterrichtet. Leider kann ich euch da nicht genau sagen, bei welchem Studiengang diese Module tiefer gehen, aber ich glaube, das hält sich so die Waage. Falls sich hier übrigens ein Medizinstudent rumtummeln sollte, der kann mich gerne korrigieren! :)

Ist das Studium sehr mathelastig?
Rechenaufgaben sind in den Basisfächern Physik, Chemie und Physikalische Chemie natürlich von großer Bedeutung und machen auch den Großteil der Klausurenaufgaben aus, aber das ist alles halb so wild. Ich war nicht die hellste Matheleuchte auf der Welt, komme aber nun mit den Rechenaufgaben gut klar. Es gibt halt sehr viele Formeln, aber in den meisten Klausuren durfte man sich sogar selbst Formelsammlungen zusammenstellen. D.h. ihr müsst eigentlich nur die richtige Formel auswählen können und gegebenfalls mal mehrere Formeln miteinander kombinieren, um an die Lösung zu kommen oder mal etwas umformen. Das allerhöchste der Gefühle ist mal die Anwendung eines Logarithmus, aber auch das macht ja der Taschenrechner. Vor Mathematik braucht man hier also keine Angst zu haben.

Muss man für das Studium gut in Chemie sein?
Ich finde, das ist ganz schwer zu beantworten. Ich selbst hatte bis zu meinem Abitur durchgehend Chemie, ich war darin immer sehr gut und habe mich auch dafür begeistert. Im Studium haben da meine Leistungen deutlich abgenommen und meine Begeisterung leider auch. Einige meiner Kommilitonen hatten allerdings nur zur 10. Klasse Chemie und kamen trotzdem gut mit, immerhin werden dir im 1. Semster nur die basics vermittelt. Das kommt also ganz darauf an und kann man pauschal so nicht sagen. Man sollte zumindestens wissen, was ein Periodensystem ist :D

Welche Vorrausetzungen muss man erfüllen?
Ehrgeiz, Begeisterung für die Naturwissenschaft und Medizin und den Willen, das Ganze wirklich durchzuziehen. Es ist zeitweise wirklich sehr anstrengend, v.a. in der Klausurenphase, da in MolMed alle Klausuren am Ende des Semesters geschrieben werden und nicht - wie z.B. in der Humanmedizin - über das Semester verteilt sind. Ich war ehrlich gesagt während dieser Phase schon an der Grenze zu Nervenzusammenbrüchen, aber da muss man einfach die Zähne zusammenbeißen. Aber ich glaube, sobald man sein allgemeines Abitur hat und den NC erreicht hat, kann dieses Fach jeder studieren, wenn er sich wirklich dazu entschieden hat.

Wie genau wird der Masterstudiengang aussehen?
Das weiß ich leider selbst noch nicht genau, da in letzter Zeit auch sehr viel verändert wurde, v.a. für die Masterstudenten. Das einzige, was ich bisher weiß, ist die Tatsache, dass ich auch hier wieder einen relativ hoch angesetzten NC erreichen muss.

Was genau kann man beruflich nach dem abgeschlossenem Studium machen?
Wie weiter oben schon erwähnt wird man im Anschluss des Studiums kein praktizierender Arzt und hat keinen Patientenkontakt. Die größten Chancen hat man in der Forschung (ob an Kliniken oder sogar in pharmazeutischen oder biomedizinischen Bereichen) und in der Molekularen Diagnostik an Kliniken. Sogar in der Industrie werden Molekulare Mediziner gesucht, hier ist man dann in der Forschung bzw. Entwicklung beschäftigt. Man kann auch in den Behörden tätig sein, z.B. in Untersuchungsämtern.


4 Kommentare:

  1. Schöner Post - finde die Formulierung echt gut, man versteht auf Anhieb, worum es geht und man muss es nicht erstmal tausend Mal durchlesen :)

    Und schöne Fotos, du Hübsche!

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  2. danke für dein kommentar ! tolle fotos, klasse blog ! liebe grüße <3

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  3. Ich würde mich wirklich sehr, sehr freuen, wenn du dich mal durchklicken würdest ;>
    http://smileforthehater.blogspot.de/

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  4. Wirklich schöner Post! Ich freu' mich immer noch für dich, dass du Nachrücken konntest - und jetzt hast du tatsächlich schon das erste Semester hinter dir! :)

    Viele Grüße!

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